Urlaub August 2012 – Tag 3 Kein Steam aber viel Wein

Tag 3, kein Steam, kein YouTube, kein SoundCloud. Was soll man sonst also tun, als auf dem Balkon zu liegen und zu schlafen? Ach ja essen und trinken ist schon mal ein guter Anfang. Zudem steht heute noch der Geburtstag meines zukünftigen Schwiegervaters an. Was so viel bedeutet wie, im Garten sitzen, essen und natürlich viel trinken.

Das morgendliche Frühstück vor bester Naturkulisse ist beinahe schon Routine. Aber dennoch ist es kein Vergleich zu der Einbauküche unserer offenbacher Lärmwohnung. Das Frühstücksei kommt sogar praktisch aus der Nachbarschaft und das Brot vom Bäcker aus dem Nachbarort. Schmeckt gar nicht mal so anders als in Offenbach, aber es fühlt sich einfach besser an.

Es ist gerade mal 9:30 und die Sonne am Morgen macht schon den Eindruck, als würde es heute noch sehr heiß werden. Eigentlich so gar nicht mein Klima, zumal meine Kellerbräune dadurch ruiniert werden könnte. Außerdem mag ich es Kühl und dunkel. Aber hey, solange ich mich nicht bewegen muss, ist alles in bester Ordnung. Sogar der Liegestuhl ist von meinem Hintern bereits ein wenig genervt. Noch ein paar Tage länger und ich wachse an. Genetische Verschmelzung. Aber irgendwas habe ich vergessen, was das wohl war… es war wichtig. Aber es will mir einfach nicht einfallen….

Um 11:00 Uhr hält es meine Verlobte nicht mehr aus. Sie will ins Schwimmbad. Nicht alleine, sondern mit ihrem Bruder. Das Freibad liegt etwa 9 Km entfernt. Soll ich mitgehen? Ich? Ins Freibad? Auf keinen Fall. Ich leg mich doch nicht auf eine Wiese, wo ich doch mit Sonnenschirm auf dem Balkon liegen kann. Aber was tut man nicht alles für die Liebste. Ich schwinge mich also ins Auto, fahre sie zu dem Haus ihrer Eltern, von wo aus sie auch ohne mich, mit ihrem Bruder ins Freibad gehen kann. Ich wünsche ihr viel Spaß und bin in Gedanken aber schon wieder auf der Liege auf dem Balkon. Im Radio läuft “One Day” und ich singe lautstark auf dem Rückweg mit. Andere Autofahrer an der Ampel schütteln ungläubig mit dem Kopf. Ich trage die Sonnenbrille meiner Mutter, denn meine habe ich vergessen. Was für ein Bild ich damit wohl abgegeben habe.

Zuhause angekommen, lege ich meine Musik auf. Minimal. Hört sich gut an und verleitet sogar ein wenig zu tanzen… im letzten Moment konnte ich dieses Fehler jedoch noch abwenden. Schließlich muss die Liege benutzt werden, sonst hätte sie doch keine Daseinsberechtigung. Ich tue also meine Pflicht. Ich habe noch 3 Stunden, bevor der Geburtstag gefeiert werden soll. Die Zeit muss gut genutzt werden. Gerade habe ich mich auf der Liege lang gemacht, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich habe vergessen die Tomaten zu gießen… ach und die Hasen müssen sauber gemacht werden, der Hund gassi geführt werden und die Katze braucht ihr Futter. Das wird Zeit kosten. Ich mache mich also auf den Weg in Garten, die Sonne steht hoch oben und brennt auf dem Kopf. Das Wasser aus der Tonne riecht nach Moder und die Tomaten sehen auch nicht so toll aus. Was für eine Verschwendung von Muskelmasse und Freizeit. Der Hund spielt mir zu, er hat bei den Temperaturen keine Lust auf Spaziergänge, er hebt sein Beinchen und zeigt an, dass er es vorziehen würde wieder auf der Couch Platz zu nehmen. Wie der Herr wünscht. Katze bekommt ihren nach Fisch riechenden Schlamm in den Napf geballert und die Hasen werden liebevoll gesäubert. Ein Blick auf die Uhr… Noch 2 Stunden… jetzt bloß keinen Fehler mehr machen. Liege anvisieren, Sprung, dann Augen zu und ZzZzZzZzZzzzz…

Der Wecker klingelt… Kann doch gar nicht sein… Sind die 1,25 Stunden schon rum… Tatsache. Dann aber schnell. Die Familie und die Verlobte dulden keine Unpünktlichkeit. Duschen, Umziehen und Haare stylen… Bart stutzen, das Waschbecken von Bartstoppeln befreien. Fertig. Jetzt noch den Hund einpacken und auf ins Vergnügen. Als ich gerade das Haus verlassen will, klingelt das Telefon… WTF? Wer will meine Kreise stören. Ich hoffe der oder die, lässt sich schnell abwimmeln… Fehlanzeige, es ist Großmuttern. Sie hat viel zu erzählen und ich antworte brav auf jede ihrer Ausführungen mit “Ja Oma”… Mit einem Auge habe ich ständig die tickende Uhr vor Augen. Ich komme zu spät. Mit einem Sturm nach vorn in der Form “Oma, keine Zeit zum Reden, wir kommen dich morgen besuchen, da kannst du uns alles ganz in Ruhe erzählen!” versuche ich mein Glück. Sie willigt ein und ich bereue es schon jetzt.

Ich sitze wieder im Auto. Habe wieder die Sonnenbrille meine Mutter auf. Im Radio läuft Guetta. Ich singe nicht mit. Mag Guetta nicht… Verfluche die Hitze. Schon 10 Minuten nach dem Duschen, war ich bereits wieder Reif für “Dusch Das”… Bei Ankunft den Hund ausladen und feststellen, dass ich es gerade so auf die letzte Minute geschafft hatte. Geil.

Ich werde wärmstens empfangen. Wie schön. Doch etwas ist nicht Okay. Warum bellt der Hund und warum lässt er sich so gar nicht beruhigen? Jack Russel eben. Nach einer halber Stunde war mein Nervenkostüm am Ende. Die hohe Piepsstimme in Triebwerkslautstärke reißt nicht ab. Dieser Hund wird noch den Zorn der Götter auf sich ziehen. Wir beschließen ihn wieder nach Hause zu fahren. Gute Entscheidung. Ich trage Mutters Sonnenbrille wirklich gerne, aber im Radio läuft 1994… Gnade bitte. Der Hund wird abgeladen und mit literweise Wasser versorgt. Ab ins Auto, besagt Sonnenbrille zurecht gerückt, Radio aus und auf in Richtung Kuchen. Die Fahrt verläuft ohne Zwischenfälle.

Ankunft 15:05. Gleich wird es Kaffee und Kuchen geben. Der Garten gleicht einem Inferno, die Luft flimmert. Wie gut, dass das Kaffeekränzchen ins Wohnzimmer verlegt wurde. Da ist es kühl, da gehts mir gut. Doch die Ruhe hält nicht lange, denn schon bricht man auf in den heißen Garten. Bei der Menge Kaffee im Blut und dem Bauch voller Streußelkuchen glich der Aufbruch einem Himmelfahrtskommando. Die Schattenplätze sind rar. Ein Körperteil ist stets der prallen Sonne ausgeliefert. Unruhig versuche ich durch Stellungswechsel einem Sonnenbrand zu entgehen. Darin bin ich seit Jahren geübt. Professioneller Sonnenlichtmeider. Geschafft. Ich habe einen Platz im Vollschatten ergattert und führe Konversation. Ich glaube Thema war das schieldende Opossum Heidi.

Vor dem Abendessen gab es noch eine Pflicht zu erfüllen. Der Hund war zwar nun Zuhause, aber seinen Ausgang brauchte er dennoch. Ich hatte keine Lust nachher die Spuren zu beseitigen, wenn ich ihm seinen Auslauf verweigern würde. Diesmal hatte ich sogar an meine eigene Sonnenbrille gedacht. Hund gassi führen, einen Kontrollblick bei den Hasen, eine Zigarette zur Belohnung. Nun Abendbrot in der untergehenden Sonne, sogar Wind kam auf. Göttlich. Nun bekam ich sogar die persönliche Erlaubnis zum Trinken alkoholischer Getränke, denn meine Verlobte fährt auch ganz gerne mal das Auto. Super. Erstmal ein Weizen zum Einstieg, später ein zweites. Bei bestem Käse und Brot einen trockenen Roten. Dazu sehr angenehme Konversation zum Thema Globalisierung mit dem Nachbarn. Ich schätze solche Unterhaltungen. Doch was ich nicht bemerkte war, dass bevor mein Glas sich leerte, es immer wieder nachgefüllt wurde. In meinem Bewusstsein erst ein Glas getrunken zu haben, bemerkte ich leichte Artikulationsschwierigkeiten. Auch meine Motorik wurde holprig bis unzureichend. Der Weg zum Auto war spannend. Doch Zuhause würde ich einfach ins Bett fallen und morgen würde es mir schon wieder besser gehen… Morgen… Am Tag 4 meines Urlaubs in der Heimat..

2 Replies to “Urlaub August 2012 – Tag 3 Kein Steam aber viel Wein”

  1. Wohl war 😀 Und obwohl der Urlaub nur aus 5 Tagen bestand, fühle ich mich so erholt, wie nach 2 Wochen. Der Liegestuhl vermisst mich und ich ihn auch ein wenig 😉

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